Blümchensex

Niemand sieht eine Blume wirklich.
Sie ist so klein – und wir haben keine Zeit. Aber zum Anschauen benötigt man Zeit, so, wie man für Freundscha Zeit braucht
Georgia O‘Kee e 1887 – 1986

»Blumen in der Kunst sind nichts Neues. Im Gegenteil, sie gehören zu den ältestenemen des Menschen im gestalterischen Umgang mit (…) seiner Umwelt. Die Blume ist ein wirkungsvoller Ausdruck menschlicher Gefühle. Blumen begleiten alle wichtigen zeremoniell gefeierten Übergänge des Lebens, von der Geburt bis zum Tod. Als Geburtstagsblume, Braut- strauß und Trauergebinde transportieren Blumen auch in der westlichen, hochzivilisierten und ritenar- men Gesellscha einen beachatlichen Rest an metaphorischen Gehalt. Die Blume ist Lebenssymbol und Liebesbeweis, Sie verkörpert ein Höchstmaß an Schönheit und Vollkommenheit. In der Blume wird die Natur selbst zur Kunst-Form, zum ästhetischen Phänomen. Sie verkörpert gleichzeitig das Einzigartige und das Serielle.« 1

»In besonderer Weise treffen sich (in der Blume) Naturwissenschaft , Religion, Philosophie, Ethnologie, Kulturgeschichte und Kunst zu einer mitunter irritierenden Mischung von Inhalten.« 3

Das Zitat von Georgia O’Keeffe ist Leitgedanke meiner Arbeit. Ich fotografiere kleine Dinge, und sie malte kleine Dinge. In der Natur sind diese Organe so klein, dass sie als Solche dem Betrachter kaum aufallen. In dieser Arbeit stehen diese Organe im Zentrum des Bildes und werden ihrer wichtigen Aufgabe entsprechend dargestellt – riesengroß.
Außerdem lassen viele ihrer Malerein sexuelle Schlüsse zu, aufgrund der Auswahl des Bildauschnittes kann man über das Blumenmotiv hinaus noch sexualisierte Motive finden. Ich wollte das Thema Sex schon klarer rausarbeiten, aber eben keinen tierischen Sex, sondern blumischen, und holte die Sexualorgane der Pflanzen in den Mittelpunkt und fotografierte mit Abbildungsmaßstäbe zwischen 1,5:1 und 7,8:1*. Die Ästhetik in Fotografie und auch der Pflanze wollte ich aber keinesfalls außer Acht lassen. Entstanden sind grafisch anmutende Fotografien, die sich in Bildsprache und -Aufbau von klassischen Blumenfotos lösen.

Blumen üben einen Zauber aus und sind voller Bedeutung. Jede Darstellung einer Blume ist immer auch eine Darstellung einer tiefgreifenden Be- deutung und »Die Darstellung von Blumen im Moment ihrer vollen Blüte betont den Augenblick.« 2

*das heißt, meine Fotografien sind 1,5 bis 7,8 mal größer, als die Blume selbst.

Schlumbergie

Schlumbergera – Weihnachtskaktus

 Passionsblume

Passiflora – Passionsblume

Tränendes Herz

Lamprocapnos spectabilis – Tränendes Herz

Fuchsia

Fuchsia sp. – Fuchsia

Medinille

Medinilla magnifica – Medinille

rauhling

Trachystemon orientalis – Rauhling

04_Kuhschelle_Druck

Pulsatilla vulgaris – Kuhschelle

akelei

Aquilegia – Akelei

Schneeglöckchen

Galanthus nivalis – Schneeglöckchen

Korsische Nieswurz

Helleborus argutifolius – Korsische Nieswurz

1 Bettina Schönfelder »Die Blume als Baustelle« in Cornelia Holzach »Art is owering – Kunst treibt Blüten«, ARNOLDSCHE Art Publishers Stuttgart, 2007, S. 50, 2 ebd. S 54, 3 Marianne Beuchert, Symbolik der P anzen, Insel Verlag, 1999, S. 9

 

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